Konsequenzen von schwerem Tragen und Prävention von Gebärmuttervorfällen- Unterstützung und Verhaltensänderung für Frauengesundheit in Nepal

©Akina Shrestha

Projektbeschreibung:

In den meisten Ländern des Globalen Südens wenden vor allem Frauen täglich viel Zeit und Energie auf, um Wasser und Nahrung für ihre Familie und Tiere zu beschaffen. So auch in Nepal. Die häufige physische Belastung beim Tragen schweren Lasten (Wasser, Tierfutter, Steine, Holz) birgt ein Risiko für Muskel-Skelett-Erkrankungen und reproduktive Gesundheit. Laut United Nations Population Fund (UNFPA) ist jede zehnte Frau in Nepal von einem Organvorfall betroffen. Organe senken sich dabei in die Vagina und tritt im fortgeschrittenen Stadium aus ihr heraus.

In einer Pilotstudie (2019) ermittelte unsere Forschungsgruppe gemeinsam mit Forscherinnen des Kathmandu University Hospitals und der Eawag, dass nepalesische Frauen pro Weg durchschnittlich 19 kg Wasser und 35 kg andere Lasten (Holz, Tierfutter) tragen und dass Hebe- und Abstellverhalten beim Tragen häufig wenig ergonomisch sind.

Wir identifizierten niedrige Selbstwirksamkeitserwartung (Überzeugung, Verhalten nicht mit eigenen Ressourcen organisieren und ausführen zu können) und unzureichende soziale Unterstützung als Gründe für unsicheres Trageverhalten.

Befähigungshypothese

Voraussetzung, um ein Gesundheitsverhalten ausführen zu können, ist, dass dies der eigenen Entscheidungskontrolle unterliegt. Vor allem in sozial benachteiligten Populationen mindern soziostrukturelle Barrieren, wie geschlechtsspezifische soziale Erwartungen die effektive und wahrgenommene Kontrolle über Gesundheitsverhalten. Eine Möglichkeit, Barrieren zu überwinden, findet sich gemäss der Befähigungshypothese in sozialer Unterstützung. Soziale Unterstützung hilft demnach mit Umweltanforderungen zurechtzukommen und stärkt zusätzlich die Selbstwirksamkeitserwartung der unterstützten Person.

©Valérie Bösch

Women lift safely - Eine Interventionsstudie zur Reduktion von Gesundheitsrisiken beim Tragen schwerer Lasten

In einer Interventionsstudie (2021-2022, n = 300) möchten wir testen, ob stärkere Selbstwirksamkeit der Frauen zu sichererem Trageverhalten führt. Weiter soll die Befähigungshypothese erstmalig in diesem Kontext getestet werden.

Es werden drei von der Problematik betroffene Dörfer in Nepal in einem Parallelgruppendesign zufällig zu einer von drei Interventionsgruppen zugeteilt: individuelle Selbstwirksamkeitsförderung, Selbstwirksamkeitsförderung + soziale Unterstützung durch eine soziale Partnerin / einen Partners, Wartelisten-Kontrollgruppe.

Selbstwirksamkeit wird über die drei wirksamsten Quellen von Selbstwirksamkeitsförderung induziert: Erfahrung von Erfolgserlebnissen, stellvertretende Erfahrung (Modelllernen) und Verbale Überzeugung (Persuasion). Die Interventionsgruppen erhalten Verhaltensänderungstechniken zur Erhöhung von Selbstvertrauen und für Modelllernen.

Projektstandort:

Kavre & Sindhupalanchowk District, Nepal

Projektförderung:

  • Stiftung Suzanne und Hans Biäsch zur Förderung der Angewandten Psychologie​ (Interventionsstudie 2021/2022)
  • Universität Bern
  • Eawag: Das Wasserforschungs-Institut des ETH-Bereichs (Vorstudie 2019)

Projektteam:

Dr. Akina Shrestha (Kathmandu University Hospital; Kathmandu University School of Medical Sciences), Vica Tomberge & Prof. Dr. Jennifer Inauen (Universität Bern), Regula Meierhofer (Eawag), Dr. Helena Luginbühl (BFH Gesundheit Fachbereich Physiotherapie), Janine Bischof & Melanie Bamert (Universität Bern).

Kooperationspartnerinnen:

Dr. Anjana Singh Dangol (Geburtshilfe & Gynäkologie, Kathmandu University Hospital), Dr. Richa Amatya (Psychiatrie, Kathmandu University Hospital)

Publikationen

Tomberge, V. M. J., Shrestha, A., Meierhofer, R., & Inauen, J. (2021). Understanding safe water‐carrying practices during pregnancy and postpartum: A mixed‐methods study in Nepal. Applied Psychology: Health and Well-Being, aphw.12325. https://doi.org/10.1111/aphw.12325

Tomberge*, V. M. J., Bischof*, J. S., Meierhofer, R., Shrestha, A., & Inauen, J. (2021). The Physical Burden of Water Carrying and Women’s Psychosocial Well-Being: Evidence from Rural Nepal. International Journal of Environmental Research and Public Health18(15), 7908. https://doi.org/10.3390/ijerph18157908 (* shared first authorship)